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Die Tlahuica-Kultur

Ruinen in ländlichen Gebieten


Diese Seite beschreibt archäologische Ausgrabungen in den ländlichen Orten Cuexcomate und Capilco im Bundesstaat Morelos in Mexiko und bietet Information über das Landleben in der Azteken-Zeit. Die genannten Orte gehören zur Tlahuica-Kultur.

1985 und 1986 betrieben Michael E. Smith und seine Frau Cynthia Heath-Smith Ausgrabungen und Vermessungsarbeiten in den Ausgrabungsstätten Cuexcomate und Capilco. Dabei handelte es sich um ein Projekt, bei dem Information über die in der aztekischen Landbevölkerung herrschenden wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse gesammelt werden sollten. Obwohl in den ethnohistorischen Quellen reichlich Information über die adeligen und 'urbanen' Azteken vorhanden ist, gibt es nur unzureichende Auskunft über die Landbevölkerung jener Zeit. Diese Orte wurden für die Untersuchung ausgewählt, da sie nicht zu tief lagen und die Fundamente der einzelnen Häuser noch auf Oberflächenniveau sichtbar waren und weil Archäologen herausgefunden haben , dass die beste Information über die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen einer Gruppe bei den Ausgrabungen von Häusern zutage gebracht werden.

Capilco ist eine kleine Ausgrabungsstätte mit Fundamenten von 21 Häusern. Cuexcomate zeigt die fundamente von 150 Häusern und anderen Strukturen einschliesslich von Tempeln, Speichern und 'rituellen' Abfallhalden. Eine der ersten Tätigkeiten war die Schätzung der Bevölkerung dieser Orte. Da nicht in allen 164 Häusern der beiden Orte Ausgrabungen betrieben werden konnten, wurden stichprobenartige Ausgrabungen durchgeführt. In Capilco wurden 8 der 21 Häuser ausgewählt (38%) und in Cuexcomate 21 der 143 Häuser (15%).

In jedem der ausgesuchten Häuser wurden zwei Schächte gegraben, einer zwecks Datierung des Baus und der andere in einer nahe gelegenen Abfallhalde zwecks Informationsbeschaffung bezüglich der häuslichen Utensilien und der Lebensbedingungen. Mittels einer Kombination von Datierungsmethoden wurden die Nutzungsperioden für jedes einzelne Haus festgelegt. Die Datierungen stützten sich auf die verschiedenen gefundenen Keramikstile. Ausserdem wurden an einigen der zufällig ausgesuchten Häuser auch komplettere Ausgrabungen betrieben.

Die ermittelten Benutzungsmuster ergaben ein dramatisches Wachstum während der späten Azteken-Zeit. Bei der Anwendung der demografischen Muster auf die anderen archäologischen Stätten im Westen von Morelos, wurde klar, dass die regionale Bevölkerung in der späten Azteken-Zeit die Produktionskapazität der wetterabhängigen Landwirtschaft überstieg. Diese wachsende Bevölkerung benötigte Methoden einer intensiven Landwirtschaft für das Überleben. Hier erscheinen die Terrassen der Berge im Westen von Morelos eine logische Option gewesen zu sein.


Landwirtschaftliche Methoden

Bei der Vermessung dieser Orte wurden 'Staudämme' entdeckt. Diese Stauämme sind Steinmäuerchen, die quer zu den wetterbedingten Bächen verliefen und so die mitgeführten Sedimente abfingen, die dann die landwirtschaftlichen Nutzflächen bildeten. Obwohl Bericht über diese Art von antiken Terrassen-Staudämmen vorliegen, hatte noch niemand Ausgrabungen zur Bestimmung der Baumethoden, des genauen Alters und ihrer Nutzung vorgenommen. In Capilco wurden 2 der 7 'Staudämme' und in Cuexcomate 3 der 36 vorhandenen untersucht.

Es war möglich, die Geschichte eines der 'Staudämme' in Cuexcomate nachzuvollziehen, welcher ausgedehnt und mit einer Methodenkombination ausgegraben wurde, wobei Analysen der Korngrössen und Radioaktivitätsmessungen eingesetzt wurden. Der bau wurde im 15. Jahrhundert begonnen. Man baute in Mäuerchen und auf der oberen Seite sammelte sich schnell eine Sedimentschicht an. Nach einer Periode kontinuierlicher Nutzung überstieg eine starke Strömung den Rand und riss viel des angesammelten Sediments mit sich fort. Das Mäuerchen wurdr repariert und die Sedimente sammelten sich erneut an, die Mauer wurde öfters mit jeweils einer Steinreihe aufgestockt. Eine Radioaktivitätsmessung ergab das Jahr 1476. Die Pollenanalyse liess leider keine zuverlässigen Angaben über die angebauten Pflanzen zu. Der 'Staudamm' wurde möglicherweise kurz nach der 'Eroberung' durch die Spanier verlassen, als die Bewohner von Cuexcomate zur Umsiedlung gezwungen wurden.

 

Das ländliche Leben

Der Ort Cuexcomate war mit seinen 135 einfachen Häusern möglicherweise ein ländliches Calpolli-Dorf (Calpolli war eine aztekische Residenzaufteilung): Neben den ländlichen Häusern hatte Cuexcomate auch einen kleinen Palast, einen öffentlichen Platz und ein Zivilgebäude, das vielleicht die Schule (Telpochcalli) war. Die FAmilien in Cuexcomate und Capilco lebten in kleinen aus einem Zimmer bestehenden Häusern aus Lehmziegeln und mit Strohdächern. Die einzigen Überreste dieser Häuser sind die Fundamente der Wände und die steinernen Böden. Zur Zeit ihrer Benutzung warten diese Häuser wahrscheinlich genauso wie die Lehmziegelhäuser, die noch heute von vielen ländlichen Familien bewohnt werden.

Archive und in Nahuatl kurz nach der 'Eroberung' geschriebene Volkszählungen zeigen uns, dass diese kleinen Häuser das Heim von Kernfamilien waren, manchmal auch von Familien, bei der mehr als zwei Partner miteinander verheiratet waren. In vielen Gebieten lag der Durschnitt pro Haus bei 5 oder 6 Bewohnern, in einigen Gemeinden lag der Durchschnitt bei 8 pro Haus. Manchmal lebten Diener oder nicht verwandte Personen bei einer Familie. Oft waren 2 bis 5 Häuser um einen zentralen Hof angeordnet. Auf Nahuatl hiessen diese Einheiten 'cemithualtin', was soviel heisst wie 'diejenigen um einen Hof'.

Die Häuser von Capilco und Cuexcomate waren so klein, dass die Mehrheit der Tätigkeiten möglischerweise im Hof verrichtet wurden, der von Abfällen freigehalten wurde. Die Mensche warfen den Abfall auf die Seiten oder hinter die Häuser, und das Studium der gefundenen Artefakte bieten uns wertvolle Information über die Tätigkeiten und die sozialen Bedingungen der Familien. Die Reste von Keramiktöpfen, Speichertöpfen, Tellern und Comales bieten eindeutige Hinweise auf die Zubereitung der speisen durch die Frauen. Wenn die Töpfe zerbrachen, sammelten sich die Scherben um das Haus an. Der Mönch Bernardino de Sahagún erwähnt, dass die Babies "die Zeit damit verbrachten, kleine Hügelchen aus Erde und Tepalcates zu bauen". Neben zehntausenden von in jedem Haus ausgegrabenen Tepalcates wurden Obsidianklingen und Basaltsteine für das Mahlen gefunden. In allen ausgegrabenen Häusern wurden auch Keramikspindeln und Bronzenadeln für das Weben gefunden. Obenso wurden rituelle Artefakte zutage gebracht.


Die Tätigkeiten der Frauen - die Zubereitung des Essens, die Textilarbeiten, häusliche Opferungen - haben deutliche Spuren hinterlassen. Die Tätigkeiten der Männer sind fast nicht wahrzunehmen. Der Grossteil der Männer widmete sich der Landwirtschaft, obwohl in den Häusern keine Ackerwerkzeuge gefunden wurden. Die Familienmitglieder widmeten einen Teil ihrer Zeit der Herstellung von Papier aus der Rinde des Amate-Baumes. Dieses sowohl für die Códices als auch für rituelle Akte verwendete Papier war ein sehr wichtiges Element der von den Einwohnern von Morelos an das aztekische Imperium entrichteten Tributszahlungen.

Den gefundenen Artefakten nach zu urteilen, kann gesagt werden, dass es den Bauern von Capilco und Cuexcomate wirtschaftlich ziemlich gut ging. Sie konnten Güter mit ganz Zentralmexiko austauschen, einschliesslich von Obsidian aus Pachuca und Otumba, Salz aus dem Tal von Mexiko, Bronze aus dem Westen Mexikos und Keramik aus dem Tal von Mexiko, Cholula, Toluca, Cuernavaca und Yautepec. Diese oft polchromatisch dekorierten importierten Gefässe wurden in fast allen Häusern gefunden. Die grosse Anzahl solcher Objekte lässt vermuten, dass die Bewohner von Capilco und Cuexcomate genug Nahrung, Textilien, Papier und andere Güter herstellen konnten, um nicht nur ihre Bedürfnisse zu befriedigen, sondern auch aktiv am Warenmarkt teilnehmen konnten.

 

Der Palast eines Mitglieds des Landadels

Das Dorf Cuexcomate war um einen öffentlichen Platz herum angelegt. Auf der Ostseite befand sich eine kleine Tempel-Pyramide, die vielleicht dem Schutzpatron des Dorfes gewidmet war. Im Norden und Westen befinden sich verschiedene Strukturen und Hügel, die wahrscheinlich die Residenz der Elite waren.
Die Zeichnung zeigt den Palast, so wie er wahrscheinlich um das Jahr 1400, kurz vor seine Aufgabe, ausgesehen hat. Er bestand aus einer Reihe von niedrigen und untereinander verbundenen Plattformen, die um einen Innenhof angelegt waren. Die Plattformen waren aus Steinplatten gebaut, die mit Stuck und einer Schicht roter Farbe bedeckt waren.

Mit einer Fläche von 540 Quadratmetern war dieser Komplex viel grösser als die restlichen Häuser des Ortes (ca. 20 Quadratmeter). Die Bautechnik und die verwendeten Materialien waren ebenfalls höherer Qualität. Die in den nahe liegenden Abfallhalden gefundenen Utensilien sind die üblichen häuslichen Utensilien, es existiert aber eine höhere Konzentration an feinen, importierten Gegenständen.

Die Adeligen waren üblicherweise polyam und die einzelnen Räume könnten als Apartements für die verschiedenen Ehefrauen gedient haben.

Weiterführende Literatur

Smith, Michael E. (1992) Archaeological Research at Aztec-Period Rural Sites in Morelos, Mexico. Volume 1, Excavations and Architecture / Investigaciones Arqueológicas en Sitios Rurales de la Epoca Azteca en Morelos, Tomo I: Excavaciones y Arquitectura. University of Pittsburgh Memoirs in Latin American Archaeology 4. University of Pittsburgh, Pittsburgh. (bilingüe)

Smith, Michael E. (1993) Houses and the settlement hierarchy in Late Postclassic Morelos: A comparison of archaeology and ethnohistory. In Prehispanic Domestic Units in Western Mesoamerica: Studies of the Household, Compound, and Residence, edited by Robert S.; Hirth Santley, Kenneth G., pp. 191-206. CRC Press, Boca Raton.

Smith, Michael E. (1994) Social complexity in the Aztec countryside. In Archaeological Views from the Countryside: Village Communities in Early Complex Societies, edited by Glenn; Falconer Schwartz, Steven, pp. 143-159. Smithsonian Institution Press, Washington, DC.

Smith, Michael E. (1996) The Aztecs. Blackwell Publishers, Oxford.

Smith, Michael E. and Cynthia Heath-Smith (1994) Rural Economy in Late Postclassic Morelos: An Archaeological Study. In Economies and Polities in the Aztec Realm, edited by Mary G. Hodge and Michael E. Smith, pp. 349-376. Institute for Mesoamerican Studies, Albany.

Smith, Michael E. and Kenneth G. Hirth (1988) The Development of Prehispanic Cotton-spinning Technology in Western Morelos, Mexico. Journal of Field Archaeology 15:349-358.

Smith, Michael E. and T. Jeffrey Price (1994) Aztec-Period Agricultural Terraces in Morelos, Mexico: Evidence for Household-Level Agricultural Intensification. Journal of Field Archaeology 21:169-179.

 

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Vor kürzerer Zeit in Yautepec, Morelos durchgeführte Ausgrabungen.
Ländliche Tlahuica Orte
Information über Ausgrabungen in den ländlichen Tlahuica-Orten Cuexcomate und Capilco.

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© 1997, Michael E. Smith - Deutsche, vom Autor genehmigte Versión © 2002 Onda Multimedia